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Steuern in Bulgarien: 10 % Flat Tax – der komplette Ratgeber für Auswanderer

Aktualisiert 15. August 2026

Steuern in Bulgarien: 10 % Flat Tax – der komplette Ratgeber für Auswanderer

Bulgarien hat die niedrigste Flat Tax – also den niedrigsten einheitlichen Einkommensteuersatz – in der Europäischen Union: 10 %, ohne progressive Stufen, ohne kommunale Einkommensteuer, ohne Vermögensteuer, dazu 5 % auf Dividenden. Auch Unternehmensgewinne werden mit 10 % besteuert. Diese Sätze sind seit 2008 stabil – und sie haben Ende 2025 einen ernsten politischen Test überstanden, als ein Haushaltsentwurf die Verdoppelung der Dividendensteuer vorsah und nach Massenprotesten zurückgezogen wurde. 2026, mit Bulgarien in der Eurozone und im Schengen-Raum, gilt das Regime unverändert, und jede Zahl in diesem Text steht in Euro.

Dieser Ratgeber behandelt, was Auswanderer wirklich brauchen: wann Sie in Bulgarien steuerlich ansässig werden, was Sie als Arbeitnehmer, Freiberufler oder Firmeninhaber zahlen, wie die Sozialversicherung funktioniert (samt der Änderungen zur Jahresmitte 2026) und welche Besonderheiten für US-amerikanische und britische Staatsbürger gelten. Wo es für Leserinnen und Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Unterschied macht, weisen wir gesondert darauf hin. Er ergänzt unseren Vergleich Freiberufler und EOOD (auf Englisch) und den Steuerrechner (auf Englisch).

Die wichtigsten Zahlen (2026)

SteuerSatz
Einkommensteuer (Ansässige und Nichtansässige)10 % einheitlich
Eingetragene Einzelunternehmer (ЕТ)15 %
Körperschaftsteuer10 %
Quellensteuer auf Dividenden5 %
Mehrwertsteuer20 % Regelsatz, 9 % ermäßigt
Kapitalgewinne (Privatpersonen, allgemein)10 %
Zinsen auf Bankeinlagen (Ansässige)8 %
Sozialversicherung (Arbeitnehmer + Arbeitgeber, bis zur Beitragsbemessungsgrenze)rund 33 % zusammen
Sozialversicherung (Selbstversicherte)27,8 % (31,3 % mit Kranken- und Mutterschaftsschutz)

Sind Sie in Bulgarien steuerlich ansässig?

Über die Besteuerung entscheidet die steuerliche Ansässigkeit – nicht die Staatsbürgerschaft und nicht Ihr Aufenthaltstitel. Wer ansässig ist, versteuert in Bulgarien das Welteinkommen; wer es nicht ist, nur die Einkünfte aus bulgarischen Quellen. Sie sind in Bulgarien steuerlich ansässig, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

Die 183-Tage-Regel

Sie halten sich innerhalb eines beliebigen Zwölfmonatszeitraums mehr als 183 Tage in Bulgarien auf. Ansässig werden Sie für das gesamte Kalenderjahr, in das der 183. Tag fällt. An- und Abreisetag zählen beide mit.

Mittelpunkt der Lebensinteressen

Ihr Leben ist nachweislich auf Bulgarien ausgerichtet – Familie, Wohnung, Arbeit oder Unternehmen, Belegenheit Ihres Vermögens. Dieses Kriterium kann Sie auch mit weniger als 183 Anwesenheitstagen ansässig machen, und für die meisten umziehenden Familien ist es das entscheidende. Eine ständige bulgarische Adresse (постоянен адрес) allein macht Sie nicht ansässig, solange der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen erkennbar woanders liegt.

Tie-Breaker-Regeln der Abkommen

Bulgarien hat mehr als 70 Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), darunter mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erheben Bulgarien und Ihr Heimatland beide Anspruch auf Sie, entscheiden die Tie-Breaker-Regeln des Abkommens (ständige Wohnstätte, Mittelpunkt der Lebensinteressen, gewöhnlicher Aufenthalt, Staatsangehörigkeit). Holen Sie Rat ein, bevor Sie etwas unterstellen – es geht um die Frage, ob Ihr Welteinkommen im 10-%-System landet oder nicht.

Zwei kurze Beispiele

  • Eine deutsche Arbeitnehmerin zieht im März nach Sofia und arbeitet weiter aus der Ferne für ihren deutschen Arbeitgeber. Im September überschreitet sie die 183 Tage – damit ist sie für das ganze Kalenderjahr in Bulgarien steuerlich ansässig, und die Tie-Breaker-Regeln des DBA klären die Überschneidungsmonate gegenüber Deutschland.
  • Ein britischer Berater verbringt nur 150 Tage im Jahr in Bansko, aber Ehefrau, Haus und Hauptkunden sind in Bulgarien. Die Tagezählung sagt: nicht ansässig; der Mittelpunkt der Lebensinteressen sagt: ansässig – und die NAP, die bulgarische Steuerbehörde, würde das genauso sehen.

Praktischer Hinweis: Eine Ansässigkeitsbescheinigung der Nationalen Agentur für Einnahmen (bulgarische Steuerbehörde, НАП) zu bekommen, ist Routine, sobald Sie tatsächlich hier leben – und genau dieses Dokument will Ihr altes Finanzamt sehen. Der Weg zum legalen Aufenthalt – Aufenthaltstitel, das nationale Visum Typ D oder schlicht die Registrierung als EU-Bürger (auf Englisch) – ist eine andere Spur als die steuerliche Ansässigkeit, doch im ersten Jahr laufen beide meist zusammen. Für die Zielgruppe dieses Ratgebers wichtig: Deutsche und Österreicher sind EU-Bürger und brauchen keinen Aufenthaltstitel, sondern nur die Anmeldebescheinigung für EU-Bürger; Schweizerinnen und Schweizer werden aufgrund des Freizügigkeitsabkommens EU–Schweiz gleich behandelt. Auf die Steuerpflicht hat all das keinen Einfluss.

Vor der Ankunft: sauber aus dem alten System aussteigen

In Bulgarien ansässig zu werden, ist nur die halbe Bewegung. Die andere Hälfte ist ein korrekter Abschied:

  • Vereinigtes Königreich: Formular P85 einreichen oder den Wegzug im Self Assessment vermerken, den Statutory Residence Test beachten und die Regeln zur vorübergehenden Nichtansässigkeit im Blick behalten, falls Sie im Ausland Gewinne realisieren wollen.
  • USA: Einen Ausstieg gibt es nicht – Staatsbürger geben lebenslang eine Bundessteuererklärung ab (siehe den US-Abschnitt weiter unten). Beenden Sie aber unbedingt die Ansässigkeit im Bundesstaat: Kalifornien, Virginia und einige weitere hartnäckige Staaten halten an Ihnen fest, solange Sie dort Führerschein, Wählerregistrierung oder eine Postadresse behalten.
  • EU-Länder: Die meisten kennen ein förmliches Abmeldeverfahren. Nutzen Sie es, sonst unterstellt Ihr altes Finanzamt, dass Sie nie weggezogen sind. In Deutschland ist das die Abmeldung des Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt (Sie erhalten eine Abmeldebescheinigung), in Österreich die Abmeldung beim Meldeamt, in der Schweiz die Abmeldung bei der Wohngemeinde. Die bulgarische Ansässigkeitsbescheinigung ist Ihr Beleg in jedem späteren Streitfall.

Für Anteilseigner kommt ein Punkt hinzu, den englischsprachige Ratgeber selten erwähnen: die Wegzugsbesteuerung auf Anteile an Kapitalgesellschaften (in Deutschland § 6 AStG, in Österreich § 27 Abs. 6 EStG; die Schweiz kennt keine Regelung dieser Art). Sie kann stille Reserven besteuern, obwohl kein Euro geflossen ist. Klären Sie das mit steuerlicher Beratung, und zwar vor dem Umzug, nicht danach.

Arbeitnehmer: Was 10 % wirklich bedeuten

Arbeitseinkommen wird mit 10 % besteuert, nachdem der Arbeitnehmeranteil an der Sozialversicherung abgezogen wurde. Die Sozialversicherungsbeiträge summieren sich 2026 auf rund 33 % des Bruttogehalts und verteilen sich etwa so:

BeitragArbeitnehmerArbeitgeber
Rentenversicherung6,58 %8,22 %
Universeller Rentenfonds (2. Säule, nach 1959 geboren)2,20 %2,80 %
Krankenversicherung3,20 %4,80 %
Krankengeld und Mutterschaft1,40 %2,10 %
Arbeitslosenversicherung0,40 %0,60 %
Arbeitsunfallversicherung0,4–1,1 %
Summe13,78 %18,92–19,62 %

Entscheidend ist die Deckelung: Beiträge fallen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze (максимален осигурителен доход) an – von Januar bis Juli 2026 sind das 2.111,64 € im Monat, ab dem 1. August 2026 2.300 € (Gesetz über den Haushalt der staatlichen Sozialversicherung, Staatsanzeiger Nr. 68/2026). Oberhalb der Grenze zahlen Sie nur noch die 10 % Steuer. Zur Einordnung: Der Mindestlohn liegt 2026 bei 620,20 € im Monat.

Rechenbeispiel für 3.000 € brutto im Monat (oberhalb der Grenze, ab August 2026):

SchrittBetrag
Bruttogehalt3.000,00 €
Sozialversicherung Arbeitnehmer (13,78 % von 2.300 €)316,94 €
Steuerbemessungsgrundlage2.683,06 €
Einkommensteuer (10 %)268,31 €
Nettogehalt2.414,75 € (80,5 % des Bruttos)

Je höher das Gehalt, desto näher rückt die Gesamtbelastung an die reinen 10 % – genau umgekehrt zu jedem progressiven System in Westeuropa.

Zwei Hinweise für die Gehaltsverhandlung. Bulgarische Stellenangebote nennen immer den Bruttobetrag; rechnen Sie also erst wie oben, bevor Sie mit einem Nettowert von zu Hause vergleichen. Und wenn Sie einen ausländischen Arbeitgeber bitten, Sie lokal anzustellen, denken Sie an dessen Seite: Die Arbeitgeberbeiträge kommen mit rund 19 % auf das Brutto obendrauf, ebenfalls nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze – immer noch weit unter der Arbeitgeberbelastung in Frankreich oder Deutschland und deshalb ein wirklich leichtes Verkaufsargument.

Freiberufler: der effektive Satz von 7,5 %

Registrierte Freiberuflerinnen und Freiberufler (die „freien Berufe“ – Beratung, Entwicklung, Design, Übersetzung und so weiter) bekommen Bulgariens bestgehütetes Geheimnis: die gesetzliche Betriebsausgabenpauschale (нормативно признати разходи). Das Gesetz unterstellt, dass 25 % Ihrer Bruttoeinnahmen für Kosten draufgingen – ohne einen einzigen Beleg. Besteuert werden die verbleibenden 75 %, also effektiv 7,5 % auf den Bruttoumsatz, vor Sozialabgaben.

Ein Hinweis zur Begriffswelt: „Freiberufler“ ist in Bulgarien eine Registrierungskategorie bei der Steuerbehörde (свободна професия) und nicht deckungsgleich mit dem deutschen Katalogberuf nach § 18 EStG. Die Abgrenzung folgt bulgarischen Regeln, nicht den deutschen.

Pauschalsätze nach Einkunftsart:

EinkunftsartPauschaleEffektive Steuer auf den Bruttobetrag
Freie Berufe, zivilrechtliche Verträge25 %7,5 %
Lizenzgebühren, Einkünfte von Autoren und Künstlern, Handwerk40 %6 %
Landwirtschaftliche Erzeuger (unverarbeitete Erzeugnisse)60 %4 %
Mieteinnahmen10 %9 %

Sozialversicherung für Selbstversicherte

Freiberufler zahlen ihre Beiträge als selbstversicherte Personen (самоосигуряващо се лице): 27,8 % (Rente 14,8 % + universeller Rentenfonds 5 % + Krankenversicherung 8 %) oder 31,3 %, wenn Sie den Kranken- und Mutterschaftsschutz hinzuwählen. Die monatliche Bemessungsgrundlage wählen Sie selbst, zwischen Mindestbetrag und Obergrenze:

Zeitraum (2026)Monatliche MindestgrundlageMonatliche Höchstgrundlage
Januar bis Juli550,66 €2.111,64 €
August bis Dezember620,20 €2.300,00 €

Sie leisten monatliche Vorauszahlungen auf die gewählte Grundlage; ein jährlicher Ausgleich rechnet die Beiträge anschließend auf Ihr tatsächliches steuerpflichtiges Einkommen um (nach Abzug der 25 % Pauschale), weiterhin gedeckelt durch die Höchstgrundlage. Gezahlte Sozialabgaben mindern die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer.

Rechenbeispiel: Freiberufler mit 48.000 € im Jahr

SchrittBetrag
Bruttohonorare48.000 €
Betriebsausgabenpauschale (25 %)−12.000 €
Steuerpflichtiges Einkommen36.000 €
Sozialversicherung (27,8 % auf eine gedeckelte Grundlage von rund 26.280 € für 2026)rund 7.306 €
Einkommensteuer: 10 % von (36.000 − 7.306)rund 2.869 €
Steuern und Sozialabgaben zusammenrund 10.175 € (21,2 % vom Brutto)
Netto für Sierund 37.825 €

So sinkt die Gesamtbelastung mit steigendem Einkommen (Regeln 2026, Beiträge mit 27,8 %, einschließlich Einkommensteuer):

BruttojahreseinkommenSteuern und Beiträge gesamtEffektiver Satz
24.000 €rund 6.300 €rund 26 %
48.000 €rund 10.175 €rund 21 %
72.000 €rund 11.975 €rund 17 %
96.000 €rund 13.775 €rund 14 %

Die Beitragsbemessungsgrenze leistet die eigentliche Arbeit: Ab etwa 35.000 € Bruttoeinkommen wird jeder weitere Euro nur noch mit 7,5 % belastet.

Die Registrierung ist unkompliziert: Innerhalb von 7 Tagen nach Aufnahme der Tätigkeit tragen Sie sich in das BULSTAT-Register (регистър БУЛСТАТ) ein, führen danach vierteljährlich Steuervorauszahlungen ab (fällig am 30. April, 31. Juli und 31. Oktober – für das vierte Quartal keine Vorauszahlung) und reichen eine Jahreserklärung ein. Den vollständigen Vergleich mit der eigenen Firma finden Sie unter Freiberufler und EOOD im Vergleich (auf Englisch). Beachten Sie: Der eingetragene Einzelunternehmer („ЕТ“) ist eine andere, selten empfehlenswerte Rechtsform und wird mit 15 % besteuert.

Firmeninhaber: 10 % Körperschaftsteuer + 5 % Dividendensteuer = 14,5 %

Eine bulgarische Gesellschaft – meist eine Einpersonen-GmbH (ЕООД / EOOD) – zahlt 10 % Körperschaftsteuer auf den Gewinn; wird der Rest als Dividende ausgeschüttet, kommen 5 % dazu. Effektiver Gesamtsatz bei vollständiger Ausschüttung:

SchrittBetrag
Gewinn vor Steuern100.000 €
Körperschaftsteuer (10 %)−10.000 €
Ausschüttungsfähiger Gewinn90.000 €
Dividendensteuer (5 %)−4.500 €
Netto für den Inhaber85.500 € (14,5 % insgesamt)

Dividenden an Muttergesellschaften in der EU und im EWR sind befreit; Dividenden an natürliche Personen (ansässig oder nicht) unterliegen der Quellensteuer von 5 %. Erhält eine in Bulgarien ansässige Privatperson die Dividende, fällt darüber hinaus keine weitere bulgarische Steuer an. Ein Punkt, den Zugezogene aus dem DACH-Raum oft übersehen: Die bulgarischen 5 % sind nicht mit der deutschen Abgeltungsteuer vergleichbar und ersetzen sie auch nicht. Solange Sie in Deutschland oder Österreich ansässig bleiben, besteuert weiterhin Ihr Wohnsitzstaat, und das DBA bestimmt lediglich, wie die bulgarische Quellensteuer angerechnet wird.

Der Haushaltsschreck 2026 – und warum er zählt

Im November 2025 sah der Entwurf für den Haushalt 2026 vor, die Dividendensteuer auf 10 % zu verdoppeln und die Rentenbeiträge um 2 Prozentpunkte anzuheben. Zehntausende protestierten in Sofia; die Regierung zog den Haushalt zurück, und die endgültigen Gesetze für 2026 strichen beide Erhöhungen – die Dividendensteuer blieb bei 5 %, die Beitragssätze blieben unverändert (gestiegen sind im August nur die Bemessungsgrundlagen). Die Episode ist es wert, sie zu kennen: Bulgariens Niedrigsteuerkonsens wird politisch verteidigt, aber die Haushaltssaison im November lohnt jedes Jahr einen Blick.

Ein Vorbehalt für die ganz Großen: Bulgarien wendet die EU-Regeln zur globalen Mindestbesteuerung (Pillar Two) an, sodass multinationale Gruppen mit einem konsolidierten Umsatz über 750 Millionen € einem effektiven Mindeststeuersatz von 15 % unterliegen. Privatpersonen und normale mittelständische Unternehmen sind davon nicht betroffen.

Weitere Steuern, die Sie kennen sollten

SteuerSatz / Regel
Mehrwertsteuer (in Österreich: Umsatzsteuer)20 % Regelsatz; 9 % für Hotelübernachtungen, Bücher, Babynahrung; Registrierung ab 51.130 € Jahresumsatz verpflichtend (2026 – für 2027 sind 85.000 € im Gespräch)
Jährliche Grundsteuer0,01–0,45 % des kommunalen Steuerwerts (Sofia rund 0,2 %) – meist zweistellige, nicht dreistellige Eurobeträge
Kommunale Grunderwerbsteuer (beim Kauf)0,1–3 %, üblich sind 2,5–3 %
Kapitalgewinne – Immobilien10 %, befreit jedoch bei 1 Wohnimmobilie nach 3+ Jahren Haltedauer oder bei 2 Immobilien nach 5+ Jahren
Kapitalgewinne – AktienBefreit bei Handel an geregelten Märkten in der EU oder im EWR, sonst 10 %
Krypto-Gewinne10 % als gewöhnliches Einkommen
Zinsen auf Bankeinlagen8 % für Ansässige
Erbschaft- und SchenkungsteuerBefreit zwischen Ehegatten und in gerader Linie; 0,4–6,6 % (kommunal) für alle anderen

Die laufenden Kosten von Immobilien und den Kaufprozess behandelt der Ratgeber Immobilienkauf in Bulgarien, die Alltagspreise der Ratgeber Lebenshaltungskosten in Bulgarien.

Mehrwertsteuer beim Export von Dienstleistungen

Wenn Sie Dienstleistungen an Unternehmen in der EU fakturieren, gehen die Rechnungen in der Regel im Reverse-Charge-Verfahren ohne bulgarische Mehrwertsteuer hinaus – vor der ersten grenzüberschreitenden B2B-Rechnung ist aber eine vereinfachte Mehrwertsteuerregistrierung nötig (eine andere als die ab 51.130 €). Ihre Buchhalterin erledigt das an einem Tag; sie zu vergessen, ist ein häufiger und reparabler Fehler.

Mieteinnahmen in der Praxis

Ein in Bulgarien ansässiger Vermieter, der 600 € im Monat einnimmt, erklärt 7.200 € für das Jahr, zieht die Pauschale von 10 % ab und zahlt 10 % auf 6.480 € – also 648 €, mit vierteljährlichen Vorauszahlungen im Laufe des Jahres. Keine Belege, keine Abschreibungspläne.

Kapitalgewinne in der Praxis

Sie verkaufen die Wohnung in Sofia, in der Sie vier Jahre gelebt haben: befreit. Sie verkaufen eine vermietete Wohnung nach zwei Jahren: 10 % auf den Gewinn. Sie verkaufen ETFs an einer geregelten Börse in der EU oder im EWR: befreit – eine der am meisten unterschätzten Eigenschaften Bulgariens für Anlegerinnen und Anleger. Sie verkaufen in den USA notierte Aktien: steuerpflichtig mit 10 %, denn eine US-Börse ist kein geregelter Markt in der EU oder im EWR.

Krypto in der Praxis

Gewinne sind gewöhnliches Einkommen und werden mit 10 % besteuert, berechnet je Veräußerung und ohne Befreiung für lange Haltedauern. Für deutsche Leser ist das ein echter Unterschied: Die einjährige Haltefrist, nach der private Kryptogewinne in Deutschland steuerfrei bleiben, kennt das bulgarische Recht nicht. Wer gelegentlich investiert, zahlt die 10 % einfach über die Jahreserklärung; wer hochfrequent handelt, riskiert die Einstufung als gewerbliche Tätigkeit – und dann kommt die Sozialversicherung ins Spiel.

Familien

Bulgarien besteuert Einzelpersonen, nicht Haushalte – eine Zusammenveranlagung nach Art des deutschen Ehegattensplittings gibt es nicht. Es existiert eine bescheidene Steuerermäßigung für Kinder (in den letzten Jahren ein Abzug von rund 3.070 € je Kind von der jährlichen Bemessungsgrundlage, was rund 307 € gesparte Steuer bedeutet), die ein Elternteil über die Jahreserklärung oder die Dezemberabrechnung des Arbeitgebers geltend machen kann; der Betrag wird mit jedem Haushalt neu beschlossen, prüfen Sie also den Wert des laufenden Jahres.

Besonderheiten für US-Staatsbürger

Die USA besteuern ihre Staatsbürger unabhängig vom Wohnort auf das Welteinkommen; Bulgariens 10 % sind für sie also nur die halbe Rechnung:

  • FEIE: Die Foreign Earned Income Exclusion stellt für das Steuerjahr 2026 Arbeitseinkommen bis 132.900 US-Dollar frei (Inflationsanpassung des IRS), sofern Sie den Physical-Presence- oder den Bona-fide-Residence-Test bestehen. Darüber greift die Anrechnung ausländischer Steuern (Foreign Tax Credit) – weil Bulgariens 10 % aber unter den meisten US-Steuersätzen liegen, zahlen Gutverdiener in den USA häufig nach.
  • FBAR und FATCA: Auslandskonten mit zusammen mehr als 10.000 US-Dollar sind zu melden (FBAR/FinCEN 114); bulgarische Banken melden US-Personen nach dem FATCA-Abkommen zwischen den USA und Bulgarien, und manche zieren sich bei der Kontoeröffnung für Amerikaner – siehe Bankkonto in Bulgarien eröffnen.
  • Kein Sozialversicherungsabkommen: Zwischen den USA und Bulgarien gibt es kein Totalisierungsabkommen zur Sozialversicherung. Selbstständige US-Staatsbürger, die in Bulgarien freiberuflich arbeiten, kann deshalb die US-Selbstständigensteuer (15,3 %) zusätzlich zu den bulgarischen Beiträgen treffen. Das ist der wichtigste Grund, warum amerikanische Freiberufler hier Gestaltungsberatung einholen – oft mit einer EOOD und einer anderen Form der Selbstvergütung. Sparen Sie hier nicht an einer auf US-Auswanderer spezialisierten Steuerkanzlei.
  • Doppelbesteuerungsabkommen: Das DBA zwischen den USA und Bulgarien ist seit 2008 in Kraft; seine Savings Clause erhält den USA das Recht, die eigenen Staatsbürger zu besteuern, sodass der praktische Nutzen für Privatpersonen begrenzt bleibt.
  • PFIC-Falle: Meiden Sie in der EU aufgelegte Indexfonds (UCITS-ETFs) – die USA behandeln sie als PFIC, und die strafenden Meldepflichten fressen Bulgariens Steuervorteil bei Kapitalanlagen auf. Mit in den USA aufgelegten Fonds bleibt es sauber.

Besonderheiten für britische Staatsbürger

  • Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und Bulgarien (2015) teilt die Besteuerungsrechte klar zu. Sobald Sie in Bulgarien ansässig sind und der britische Statutory Residence Test Sie als nicht ansässig einstuft, verlagern sich die meisten Einkünfte in die bulgarische Besteuerung mit 10 % beziehungsweise 5 %.
  • Renten: Nach bulgarischem Recht sind gesetzliche und obligatorische Sozialversicherungsrenten – bulgarische wie ausländische, einschließlich der britischen State Pension – von der bulgarischen Steuer befreit. Einkünfte aus privater und betrieblicher Altersvorsorge können mit 10 % steuerpflichtig sein; lassen Sie sich vor dem Umzug zum Zeitpunkt der Entnahme beraten. Einzelheiten für Ruheständler im Ratgeber Ruhestand in Bulgarien.
  • Britische Mieteinnahmen bleiben zuerst im Vereinigten Königreich steuerpflichtig, Bulgarien gewährt die Entlastung nach dem Abkommen.
  • Prüfen Sie freiwillige National-Insurance-Beiträge der Klasse 2 oder 3, damit Ihre britische State Pension weiter wächst, solange Sie hier leben – eine günstige Absicherung, die viele Auswanderer vergessen.
  • Seit dem Brexit brauchen britische Staatsangehörige ein D-Visum und einen Aufenthaltstitel, um hier zu leben – die steuerliche Ansässigkeit richtet sich danach nach den oben beschriebenen Regeln.

Registrierung bei der NAP und Abgabe der Erklärung

  • Besorgen Sie sich Ihre Nummer. Mit dem Aufenthaltstitel bekommen Sie eine Personennummer für Ausländer (ЛНЧ / LNCh) beziehungsweise eine einheitliche Bürgernummer (ЕГН / EGN), die zugleich als Steuernummer dient; wer keine hat, erhält eine amtliche Nummer der NAP. Siehe den Ratgeber bulgarischer Personalausweis (лична карта) (auf Englisch).
  • Holen Sie sich einen PIK-Code. Der kostenlose persönliche Zugangscode aus jedem NAP-Büro schaltet das überraschend gute Online-Portal frei – Erklärungen einreichen, Salden prüfen, Bescheinigungen herunterladen.
  • Freiberufler: innerhalb von 7 Tagen nach Aufnahme der Tätigkeit im BULSTAT-Register eintragen, danach ab dem ersten Monat selbst versichern.
  • Arbeitnehmer: Ihr Arbeitgeber behält alles ein; die meisten Arbeitnehmer geben nie eine Erklärung ab, sofern sie keine weiteren Einkünfte haben.

Fristen (Regeln 2026)

Das Steuerjahr ist das Kalenderjahr, ein abweichendes Wirtschaftsjahr ist nicht möglich.

PflichtFrist
Jährliche Einkommensteuererklärung10. Januar bis 30. April
Nachlass von 5 % bei früher Abgabe (elektronisch, keine Rückstände, gedeckelt bei rund 255 €)Abgabe und Zahlung bis 31. März
Vierteljährliche Steuervorauszahlung für Freiberufler30. April, 31. Juli, 31. Oktober
Jahreserklärung eingetragener Einzelunternehmer (ЕТ)1. März bis 30. Juni
Körperschaftsteuererklärung und -zahlung1. März bis 30. Juni
Mehrwertsteuererklärungen14. jedes Monats

Sanktionen

Wer die persönliche Steuererklärung zu spät einreicht, riskiert beim ersten Verstoß ein Bußgeld von bis zu rund 255 € (im Wiederholungsfall mehr), dazu gesetzliche Zinsen auf die offene Steuer – Basiszinssatz der Bulgarischen Nationalbank plus 10 Prozentpunkte, bei den Sätzen von 2026 also rund 12 % pro Jahr. Wer Einkünfte zu niedrig angibt, kommt schneller teuer weg: Die Sanktionen können einen erheblichen Teil der geschuldeten Steuer erreichen. Die NAP hat kräftig modernisiert – Bankdaten, grenzüberschreitender Informationsaustausch (CRS/DAC) und der Prüfpfad aus der Euro-Umstellung laufen bei ihr zusammen –, die Zeit der lässigen Nichtdeklaration ist damit vorbei. Reichen Sie ein; bei 10 % ist Steuerehrlichkeit so billig wie sonst nirgends in Europa.

Das Bezahlen selbst ist unspektakulär: Steuern gehen per Überweisung an die IBANs der NAP (Ihre Banking-App hat die Vorlagen), und die Preise für Buchhaltung sind auf einheimisches Niveau geeicht – 30–80 € im Monat decken einen Freiberufler ab, 100–200 € eine kleine Firma, die einmalige Erstellung einer Jahreserklärung kostet 50–150 €. Englischsprachige Buchhalterinnen und Buchhalter gibt es in Sofia reichlich; sie betreuen Mandanten im ganzen Land aus der Ferne. Einen geschützten Titel wie den deutschen Steuerberater kennt Bulgarien übrigens nicht – die Arbeit erledigen Buchhalterinnen und Buchhalter (счетоводител), rechtliche Fragen die Rechtsanwältin oder der Rechtsanwalt.

Häufige Fehler von Auswanderern

  1. Aufenthaltstitel und steuerliche Ansässigkeit verwechseln – der Titel macht Sie weder steuerlich ansässig noch schützt er Sie davor, es zu werden. Die 183-Tage-Regel und der Mittelpunkt der Lebensinteressen laufen unabhängig davon.
  2. Monatelang freiberuflich arbeiten, ohne sich im BULSTAT-Register einzutragen – und danach rückwirkend Sozialabgaben samt Zinsen nachzahlen.
  3. Die vierteljährliche Vorauszahlung auslassen in der Annahme, die Jahreserklärung decke das ab. Tut sie nicht; die Vorauszahlungen sind eine eigene Pflicht.
  4. Als US-Staatsbürger die Selbstständigensteuer erst nach einem Jahr bulgarischer Freiberuflichkeit entdecken – das fehlende Totalisierungsabkommen rückwirkend kennenzulernen, ist teuer.
  5. Die Krankenversicherungsbeiträge zwischen zwei Jobs schleifen lassen – wer mehr als drei Monatsbeiträge versäumt, dessen öffentlicher Krankenversicherungsschutz ruht, bis die Rückstände beglichen sind.
  6. Annehmen, die Entlastung nach dem DBA komme von selbst. Hat Ihr altes Land Steuern auf Dividenden oder Lizenzgebühren einbehalten, die das Abkommen Bulgarien zuweist, müssen Sie die Entlastung oder den ermäßigten Satz beantragen – von allein verrechnet das niemand.
  7. Sich Sorgen um den Transfer von Ersparnissen machen. Eigenes Geld nach Bulgarien zu überweisen, ist kein steuerpflichtiger Vorgang; besteuert wird nur Einkommen.

Unterm Strich

Für Arbeitnehmer heißt Bulgarien: rund 78–80 % des Bruttolohns bleiben übrig. Für Freiberufler drückt die Betriebsausgabenpauschale zusammen mit der Beitragsbemessungsgrenze die Gesamtbelastung auf bis zu 14 % hinunter. Für Firmeninhaber sind 14,5 % auf ausgeschütteten Gewinn der wettbewerbsfähigste reguläre Satz der EU – und das alles innerhalb der Eurozone, innerhalb des Schengen-Raums und mit einem Abkommensnetz, das die Rechnung auch daheim belastbar macht. Das System belohnt vor allem eines: sich korrekt zu registrieren und fristgerecht einzureichen.

Häufige Fragen

Wenn ich weniger als 183 Tage in Bulgarien verbringe, schulde ich dann überhaupt bulgarische Steuern?

Nur auf Einkünfte aus bulgarischen Quellen (lokale Anstellung, Miete aus bulgarischen Immobilien, in manchen Fällen Honorare von bulgarischen Kunden) – und der Mittelpunkt der Lebensinteressen kann Sie trotz weniger Anwesenheitstage ansässig machen, wenn Ihr Leben hier verankert ist.

Wird Bulgariens Flat Tax von 10 % Bestand haben?

Sie hält seit 2008 und hat den Haushaltsstreit 2025/26 überstanden, in dem die geplanten Erhöhungen von Dividendensteuer und Beiträgen unter öffentlichem Druck zurückgezogen wurden. Nichts ist für die Ewigkeit, aber derzeit will keine größere Partei an die 10 % selbst heran.

Zahlen digitale Nomaden Steuern in Bulgarien?

Wenn Sie steuerlich ansässig werden (183 Tage oder Mittelpunkt der Lebensinteressen), ja – auf das Welteinkommen, meist zu den oben genannten Freiberuflersätzen, und genau deshalb entscheiden sich viele bewusst dafür. Siehe den Ratgeber digitale Nomaden in Bulgarien.

Wie hoch ist die Gesamtbelastung für gut verdienende Freiberufler?

Mit der Pauschale von 25 % und der Beitragsbemessungsgrenze landen Steuern und Beiträge zusammen bei rund 14–21 % vom Brutto, bei Einkommen zwischen 50.000 € und 100.000 € – rechnen Sie Ihre eigenen Zahlen im Steuerrechner (auf Englisch) durch.

Besteuert Bulgarien ausländische Renten?

Gesetzliche und obligatorische Sozialversicherungsrenten sind befreit. Einkünfte aus privater Altersvorsorge können mit 10 % besteuert werden – günstiger als fast überall sonst, klären Sie Ihr konkretes Produkt aber mit einer Buchhalterin oder einem Buchhalter. Für die deutsche und österreichische Rente wie für die schweizerische AHV entscheidet zusätzlich das jeweilige DBA, welches Land besteuern darf, und es behandelt gesetzliche Rente, Betriebsrente und Beamtenpension unterschiedlich – pauschale Aussagen führen hier regelmäßig in die Irre.

Wird Geld besteuert, das ich nach Bulgarien mitbringe?

Nein. Eigene Ersparnisse zu überweisen, ist kein Einkommen. Banken können nach den Geldwäscheregeln einen Herkunftsnachweis verlangen – eine alte Steuererklärung oder ein Kaufvertrag genügt meist.

Muss ich eine Erklärung abgeben, wenn ich nur ein Gehalt beziehe?

In der Regel nein – bei bulgarischem Arbeitslohn ist der Einbehalt des Arbeitgebers abgeltend. Abgeben müssen Sie, wenn Sie freiberufliche Einkünfte, Mieteinnahmen, ausländische Einkünfte oder Kapitalerträge haben oder Vergünstigungen wie den Kinderabzug geltend machen wollen.

Haben Sie eine Frage, die dieser Ratgeber nicht abdeckt? Stellen Sie sie in unseren Fragen & Antworten der Community (auf Englisch).

Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Klären Sie Ihre Situation mit einer zugelassenen bulgarischen Buchhalterin, einem Buchhalter oder einer Rechtsanwältin beziehungsweise einem Rechtsanwalt.

Quellen

Dieser Ratgeber liegt auf Deutsch vor. Unsere Rechner, das Community-Forum und die Nachrichten sind derzeit nur auf Englisch verfügbar.

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