Freiberufler vs. EOOD in Bulgarien: Welche Form spart mehr?
Aktualisiert 19. August 2026

Jede Beraterin, jeder Entwickler und jeder digitale Nomade, die oder der in Bulgarien steuerlich ansässig wird, steht vor derselben Weggabelung: sich als Freiberufler anmelden (bulg. свободна професия, „freier Beruf“) oder eine EOOD gründen — eine Einpersonen-Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Beide bewegen sich innerhalb des berühmt niedrigen bulgarischen Steuersystems, werden aber unterschiedlich besteuert, unterschiedlich versichert und unterschiedlich verwaltet. Die ehrliche Antwort auf die Frage „Was ist besser?“ hängt vor allem davon ab, wie viel Sie verdienen und wie Sie arbeiten. Hier stehen die Regeln für 2026 und echte Zahlen, alles in Euro.
Dieser Artikel setzt voraus, dass Sie die steuerliche Ansässigkeit in Bulgarien und die Flat Tax von 10 % bereits verstanden haben. Falls nicht, lesen Sie zuerst dort.
Variante 1: Anmeldung als Freiberufler
Sie tragen sich in das BULSTAT-Register (регистър БУЛСТАТ) ein — innerhalb von 7 Tagen nach Aufnahme der Tätigkeit —, versichern sich selbst und stellen Ihren Kunden persönlich Rechnungen.
- Einkommensteuer: 10 %, allerdings gewährt das Gesetz eine Betriebsausgabenpauschale von 25 % ohne jeden Beleg — besteuert werden 75 % der Bruttoeinnahmen, effektiv also 7,5 % vor Sozialversicherung.
- Sozialversicherung: 27,8 % als selbstversicherte Person (31,3 %, wenn Sie Kranken- und Mutterschaftsschutz hinzunehmen), auf eine monatliche Grundlage, die Sie zwischen 620,20 € und 2.300 € selbst wählen (Werte ab August 2026; von Januar bis Juli etwas niedriger). Ein Jahresausgleich gleicht das mit Ihrem tatsächlichen Einkommen ab — aber nie über die Beitragsbemessungsgrenze hinaus, die für 2026 bei rund 26.280 € versicherungspflichtigem Jahreseinkommen liegt. Die Beiträge mindern Ihre Steuerbemessungsgrundlage.
- Buchhaltung: wirklich einfach. Vierteljährliche Vorauszahlungserklärungen und eine Jahreserklärung. Viele Freiberufler zahlen einer Buchhalterin oder einem Buchhalter 30–80 € pro Monat; manche reichen selbst ein.
- Haftung: persönlich und unbeschränkt — wenn ein Kunde klagt, ist es Ihr Problem.
Variante 2: EOOD (Einpersonen-GmbH)
Die Gründung läuft in wenigen Tagen über das Handelsregister (Търговски регистър), das Mindestkapital ist symbolisch (ab rund 1 €), und die Gründungskosten liegen mit professioneller Hilfe insgesamt bei etwa 200–500 €.
- Körperschaftsteuer: 10 % auf den Gewinn nach tatsächlichen, belegten Ausgaben (Laptop, Reisen, Software, Coworking, Auto in Grenzen).
- Dividendensteuer: 5 %, wenn Sie sich Gewinne auszahlen — zusammen 14,5 % auf vollständig ausgeschütteten Gewinn.
- Sozialversicherung: Als geschäftsführender Alleingesellschafter müssen Sie sich selbst versichern, Mindestgrundlage 620,20 €, was bei 27,8 % rund 2.070 € pro Jahr kostet — und entscheidend: Der Betrag wächst nicht mit dem Gewinn, denn auf Dividenden fallen keine Sozialbeiträge an.
- Buchhaltung: doppelte Buchführung ist Pflicht, dazu Jahresabschluss und Lohnmeldungen. Rechnen Sie mit 100–200 € pro Monat; mehr, sobald Sie umsatzsteuerlich registriert sind (verpflichtend ab 51.130 € Umsatz).
- Haftung: beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen. Viele Firmenkunden in der EU beauftragen zudem schlicht lieber eine Gesellschaft als eine Privatperson.
Gegenüberstellung
| Kriterium | Freiberufler | EOOD |
|---|---|---|
| Einkommensteuer | 10 % auf 75 % des Bruttos (effektiv 7,5 %) | 10 % Körperschaftsteuer + 5 % Dividendensteuer (14,5 %) |
| Abzüge | Pauschal 25 %, ohne Belege | Tatsächliche, belegte Ausgaben |
| Sozialversicherung | 27,8 % auf das tatsächliche Einkommen, gedeckelt (2026 höchstens rund 7.300 €/Jahr) | 27,8 % auf die Mindestgrundlage (rund 2.070 €/Jahr) |
| Buchhaltungskosten | 0–80 €/Monat | 100–200 €/Monat |
| Gründung | Tage, nahezu kostenlos | Tage, 200–500 € |
| Haftung | Unbeschränkt, persönlich | Beschränkt |
| Gewinne thesaurieren | Nicht möglich — alle Einnahmen sind Ihre und werden besteuert | Ja — nicht ausgeschütteter Gewinn trägt nur 10 % |
| Beendigung | Trivial | Liquidation dauert Monate |
Rechenbeispiel 1: 30.000 € pro Jahr
Freiberufler: Das steuerpflichtige Einkommen nach der Pauschale beträgt 22.500 €. Die Sozialversicherung (27,8 %, unterhalb der Bemessungsgrenze) liegt bei rund 6.255 €. Die Einkommensteuer beträgt 10 % von (22.500 − 6.255) = rund 1.625 €. Gesamtbelastung rund 7.880 € — 26,3 % vom Brutto. Netto rund 22.120 €, vor vielleicht 400 € für die Buchhaltung.
EOOD: Sozialversicherung des Inhabers rund 2.070 €, Buchhaltung sagen wir 1.440 €. Gewinn = 30.000 − 2.070 − 1.440 = 26.490 €. Körperschaftsteuer 2.649 €; Dividendensteuer auf den Rest 1.192 €. Steuern und Beiträge zusammen rund 5.910 € — mit der Buchhaltung aber Gesamtkosten von rund 7.350 €. Netto rund 22.650 €.
Fazit: finanziell nahezu ein Patt. Der Weg als Freiberufler gewinnt bei der Einfachheit; die EOOD liegt rechnerisch nur deshalb knapp vorn, weil die hohe Sozialversicherung des Freiberuflers (auf diesem Niveau 27,8 % des größten Teils Ihres Einkommens) den höheren kombinierten Steuersatz überwiegt.
Rechenbeispiel 2: 90.000 € pro Jahr
Freiberufler: steuerpflichtiges Einkommen 67.500 €. Die Sozialversicherung stößt an die Jahresbemessungsgrenze: rund 7.306 €. Einkommensteuer: 10 % von (67.500 − 7.306) = rund 6.019 €. Zusammen rund 13.325 € — nur 14,8 % vom Brutto. Netto rund 76.675 €.
EOOD: Sozialversicherung 2.070 €, Buchhaltung sagen wir 1.800 €. Gewinn 86.130 €; Körperschaftsteuer 8.613 €; Dividendensteuer 3.876 €. Steuern und Beiträge zusammen rund 14.560 € — 16,2 %, dazu die Buchhaltung. Netto rund 73.640 €.
Fazit: Der Freiberufler gewinnt um rund 3.000 € im Jahr, und der Abstand wächst mit dem Einkommen. Beitragsbemessungsgrenze plus effektiver Satz von 7,5 % sind für gut verdienende Solo-Arbeit schlicht unschlagbar — eine der überraschendsten Erkenntnisse der bulgarischen Steuerplanung, denn die meisten nehmen an: „Eine Firma ist immer besser.“
Die gesamte Kurve
Gesamtkosten — Steuern, Beiträge und übliche Buchhaltung — als Anteil am Bruttoeinkommen:
| Bruttojahreseinkommen | Freiberufler | EOOD |
|---|---|---|
| 30.000 € | rund 27,6 % | rund 24,5 % |
| 60.000 € | rund 19,8 % | rund 20,0 % |
| 90.000 € | rund 15,7 % | rund 18,2 % |
| 120.000 € | rund 13,6 % | rund 17,3 % |
Das Muster: Die feste Sozialversicherung der EOOD verschafft ihr im Bereich von 25.000 bis 55.000 € den Vorsprung, bei rund 55.000 bis 60.000 € treffen sich die beiden Formen, und darüber ziehen die gedeckelten Beiträge und die effektiven 7,5 % des Freiberuflers klar davon. Unterhalb von etwa 25.000 € gewinnt ebenfalls der Freiberufler, einfach weil die Buchhaltungsgebühren einer Gesellschaft bei kleinem Einkommen einen größeren Anteil auffressen.
Was passt also zu Ihnen?
Melden Sie sich als Freiberufler an, wenn:
- Sie Ihre eigene Zeit und Ihr Können verkaufen — Beratung, Entwicklung, Design, Texten
- Ihre echten Betriebskosten niedrig sind (unter 25 % des Umsatzes — die Pauschale liegt dann zu Ihren Gunsten über der Realität)
- Sie möglichst wenig Verwaltung wollen, in einem Land, dessen Bürokratie Sie gerade erst kennenlernen
- Sie entweder bescheiden verdienen (unter rund 25.000 €) oder deutlich über 55.000 €, wo die Rechnung am stärksten für Sie spricht
Gründen Sie eine EOOD, wenn:
- Ihre tatsächlichen Ausgaben über 25 % des Umsatzes liegen — Subunternehmer, Warenbestand, Ausrüstung, Werbung
- Sie Gewinne zu nur 10 % thesaurieren und reinvestieren wollen, statt alles privat zu entnehmen
- Sie beschränkte Haftung brauchen oder Ihre Kunden auf einem Vertrag mit einer Gesellschaft bestehen
- Sie einstellen, wachsen oder das Unternehmen eines Tages verkaufen wollen
- Sie US-Staatsbürger sind: Da es zwischen den USA und Bulgarien kein Sozialversicherungsabkommen (totalization agreement) gibt, kann auf freiberufliche Einkünfte zusätzlich die US-amerikanische self-employment tax anfallen — eine Gestaltungsfrage, die viele Amerikaner zur EOOD führt (holen Sie Fachrat ein; siehe den US-Abschnitt des Steuerratgebers)
Manche länger ansässigen Auswanderer fahren beides: eine EOOD für das Hauptgeschäft, die freiberufliche Anmeldung für Nebeneinkünfte. Nichts spricht dagegen.
Später zu wechseln ist normal — und in eine Richtung günstig. Viele starten im ersten Jahr freiberuflich, solange das Einkommen unsicher ist, und gründen dann eine Gesellschaft, sobald Umsatz, Kunden oder Haftungsfragen es rechtfertigen; die freiberufliche Anmeldung endet mit einer einfachen Erklärung. Umgekehrt dauert es länger: Die Auflösung einer EOOD ist eine förmliche Liquidation von sechs Monaten oder mehr — gründen Sie also keine Gesellschaft allein des Images wegen.
Die ersten praktischen Schritte
Beide Wege beginnen gleich: Klären Sie Ihren Aufenthaltsstatus, besorgen Sie sich Ihre Personennummer und die Personalausweiskarte (lichna karta) (auf Englisch) und eröffnen Sie ein Bankkonto — bulgarische Banken kennen beide Formen, und EOODs können ihr Konto auch bei EU-Fintechs führen (Wise Business, Revolut Business, Paysera), was hilft, wenn Kunden in mehreren Währungen zahlen. Melden Sie sich danach an (BULSTAT für Freiberufler, Handelsregister für eine EOOD) und nehmen Sie sich mindestens für das erste Jahr eine Buchhalterin oder einen Buchhalter; für 30–200 € im Monat ist lokale Fachkenntnis die billigste Versicherung des Landes. Rechnen Sie Ihr eigenes Einkommen im Steuerrechner (auf Englisch) durch und gleichen Sie Ihr Budget mit dem Ratgeber zu den Lebenshaltungskosten ab.
Häufige Fragen
Kann ich mich als Freiberufler anmelden, bevor ich einen Aufenthaltstitel habe?
Sie brauchen eine Personennummer (LNCh / ЛНЧ für Ausländer oder EGN / ЕГН), und die kommt mit dem Aufenthalt. EU-Bürger erhalten sie nach der örtlichen Anmeldung schnell; Drittstaatsangehörige brauchen zuerst ihren Aufenthaltstitel — die Reihenfolge der Visumschritte steht im Ratgeber für digitale Nomaden.
Muss ein EOOD-Inhaber ein Gehalt beziehen?
Nein. Üblich sind Selbstversicherungsbeiträge auf der Mindestgrundlage plus Dividenden — ein Gehalt ist freiwillig und meist steuerlich ungünstig, außer Sie brauchen höhere Rentenanwartschaften oder Gehaltsabrechnungen, die eine Bank für die Baufinanzierung sehen will.
Und die Umsatzsteuer?
Freiberufler wie EOODs müssen sich ab 51.130 € Jahresumsatz umsatzsteuerlich registrieren (2026), und beide müssen sich meist schon früher für eine leichtere Form der Registrierung anmelden, wenn sie Dienstleistungen grenzüberschreitend innerhalb der EU einkaufen oder verkaufen (Reverse-Charge). B2B-Dienstleistungsexporte innerhalb der EU sind für Ihren Kunden ohnehin in der Regel umsatzsteuerfrei — eine Buchhalterin oder ein Buchhalter erledigt das routinemäßig.
Wie schnell kann ich Rechnungen stellen?
Als Freiberufler: innerhalb weniger Tage — die BULSTAT-Eintragung erfolgt noch in derselben Woche, und ab ihrer Ausstellung dürfen Sie Rechnungen schreiben. Eine EOOD ist in drei bis fünf Werktagen eingetragen; der langsame Schritt ist meist das Firmenkonto, bei ausländischen Inhabern können die Compliance-Prüfungen ein bis drei Wochen dauern.
Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ist keine Steuer- oder Rechtsberatung. Klären Sie Ihre Situation mit einer zugelassenen bulgarischen Buchhalterin, einem Buchhalter oder einer Rechtsanwältin beziehungsweise einem Rechtsanwalt.
Quellen
Dieser Ratgeber liegt auf Deutsch vor. Unsere Rechner, das Community-Forum und die Nachrichten sind derzeit nur auf Englisch verfügbar.